KOmpeNSUM

COmpeNSUMPTION

Es gibt einen Anteil des Konsums von Waren, Dienstleistungen und Medien, mit dem Menschen auf tragische Weise scheitern, ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Einen Anteil konsumierter Güter, mit dem Menschen versuchen, ihre seelischen Wunden, Schmerzen und Traumata zu kompensieren, und daraufhin nur flüchtige, oberflächliche Zufriedenheit erleben. Diesen Anteil nenne ich von nun an KOmpeNSUM.

Ich wünsche mir sehr, dass wir stetig neue Wege kennenlernen, unsere Seele zu nähren und zu heilen, um tiefen Frieden und tiefe Freude zu erleben. Ich wünsche mir, dass wir in diesem Lernfeld kontinuierlich wachsen, anstatt unwissentlich unnötig viel unserer wertvollen Lebenszeit (für “Ich kann mir sonst all diese Dinge nicht leisten”-Jobs) aufzuwenden und dabei –  im Glauben machtlos zu sein – die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen in Kauf nehmen.

Beispiele für KOmpeNSUM sind:

  • Konsum, den Menschen mit “Frustkauf” benennen
  • Konsum, der aus “schlechtem Gewissen” heraus eine zwischenmenschliche Beziehung “wieder gut machen”  soll (zu Kindern, Partner*innen, etc.), z.B. oft materielle Geschenke
  • Konsum, um Aufmerksamkeit zu erlangen (z.B. Social Media, auffälliger Schmuck)
  • Konsum, um “dazuzugehören”, um “dabei” zu sein, um “mitreden” zu können (z.B. Kauf neuester Auflagen technischer Geräte)
  • Konsum, um Stress abzubauen (z.B. rauchen, Süßigkeiten zwischendurch)
  • Konsum, um emotionale Schmerzen zu lindern bzw. von ihnen abzulenken (z.B. häufiger und/oder grenzenloser Alkohol-, Drogen- und Computerspielkonsum)

ACHTUNG: KOmpeNSUM ist kein falscher Konsum! KOmpeNSUM sollte nicht verurteilt werden. Menschen können in KOmpeNSUM Schutz, Zuflucht und Orientierung finden. Jedoch ist KOmpeNSUM eine Form von Konsum, durch die Menschen nicht zu tiefgründiger Zufriedenheit gelangen werden. Schlimmer noch: Während sie ihre Lebenszeit zum Verdienst des dafür nötigen Geldes aufwenden, gefährden sie gleichzeitig – meist unbewusst und geschuldet den fatalen Auswirkungen der derzeit vorherrschenden Denkweisen in Politik und Wirtschaft – die Ökosysteme des Planeten und den Frieden der Welt.
Die oben genannten Beispiele sind außerdem nicht per se Anzeichen für KOmpeNSUM: Rauchen kann das Bedürfnis nach Genuss erfüllen, Social Media kann dem Austausch dienen. Die gleiche Konsumhandlung kann bei einem Menschen genau die richtige sein, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Bei einem anderen Menschen dient sie der Kompensation. Nur jede*r kann für sich selbst reflektieren, ob das eigene Konsumverhalten wirklich und effektiv die eigenen Bedürfnisse erfüllt, oder nicht.

Um herauszufinden ob eine Konsumhandlung anteilig KOmpeNSUM enthält, kannst Du Dir z.B. folgende Fragen stellen:

  • Versuchst Du mit Deiner Konsumhandlung, Frust abzubauen?
  • Versuchst Du mit Deiner Konsumhandlung, Dein “schlechtes Gewissen” aufzulösen (z.B. mit einem materiellen Geschenk)?
  • Versuchst Du mit Deiner Konsumhandlung, Aufmerksamkeit zu erlangen?
  • Versuchst Du mit Deiner Konsumhandlung, “dabei zu sein”, “dazu zu gehören” oder “mitreden zu können”?
  • Versuchst Du mit Deiner Konsumhandlung, Stress abzubauen?
  • Versuchst Du mit Deiner Konsumhandlung, emotionale Schmerzen zu lindern bzw. von ihnen abzulenken?

Beantwortest Du einige dieser oder ähnlicher Fragen mit “Ja”, liegt es an Dir darüber nachzudenken, welche Möglichkeiten Dir zur Verfügung stehen, um Deine seelischen Bedürfnisse effektiver zu erfüllen. Im Folgenden ein paar Beispiele:

  • Alternative zum “Frustkauf”: Brüll vielleicht erstmal die Wand an, vermöble einen Sack Reis oder sprinte durch den Park; nimm Dir dann Zeit und erforsche, was Dich frustriert; gern zusammen mit einem Menschen deines Vertrauens. Entwickle Strategien, wie du mit der Frustsituation umgehen kannst oder was es braucht, damit eine solche Situation nicht erneut eintritt.
  • Zwischenmenschliche Beziehungen heilen: Erforsche, was Dich in Eurer Beziehung belastet; trete in Kontakt mit der anderen Person und finde heraus, wie es ihr geht mit dem, was dich bewegt. Hört Euch gegenseitig zu. Entwickelt gemeinsam Strategien, wie Euer Miteinander schöner werden kann. Wenn es Euch gemeinsam nicht gelingt, erwägt eine Mediation.
  • Aufmerksamkeit erlangen und dazu gehören: Erforsche deine Sorgen und Wünsche, trete mit jenen in Kontakt, von denen du gehört werden willst. Gelingt dies nicht, trete mit anderen in Kontakt und bitte um Unterstützung. Je klarer Du dir deiner Anliegen bist, je besser es dir gelingt sie zu kommunizieren und je mehr Zeit Du dir lässt, jemanden zu finden, der sich dir annimmt, je eher wirst du gehört werden und dazu gehören.
  • Stress abbauen: Mach Dir Deine Lebenssituation bewusst und erforsche Möglichkeiten, sie mittel- und langfristig zu verändern. Je sensibler Du dem Leben zuhörst, desto eher wirst du die Möglichkeiten wahrnehmen und Veränderung einleiten, damit Stress kein Regelfall in deinem Leben ist.
  • Emotionale Schmerzen und Blockaden: Du bist nicht allein. Ein großer Teil unserer Gesellschaft kämpft mit schmerzhaften Erfahrungen, behält sie aber für sich und verdrängt sie. Wenn Du genug Mut aufbringen kannst, wende dich an einen Menschen deines Vertrauens, vielleicht sogar an Kontaktstellen, von denen Du glaubst, dass sie dich unterstützen können. Ob Freund*in, Empathiegeber*in, Coach oder Therapeut*in: Du selbst wirst schnell merken, ob der Kontakt hilfreich ist oder nicht. Probiere lieber mehrere Optionen aus als zu lange bei einer Person zu bleiben, mit der du nicht weiterkommst. Dennoch können Dir Geduld und Sanftmut gute Begleiter auf deinem Heilungsweg sein.
  • Für alles: Versuche Dir stets selbst, das nötige Mitgefühl und die nötige Liebe zu geben, die du brauchst (inkl. Mitgefühl für dein eigenes Urteil über deinen eigenen KOmpeNSUM). Nutze dafür alles, was Dir hilft, Dich mit Dir selbst, Deinen Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden (z.B. Gewaltfreie Kommunikation, Meditation, …)

In einem bewussten Umgang mit KOmpeNSUM liegt großes Potential, die Phänomene des exzessiven Ressourcenverbrauchs und des Klimawandels zu mindern. Die Entkopplung von Wohlstand und Ressourcenverbrauch passiert in der Verringerung von KOmpeNSUM.
Nichtsdestotrotz würde ein bewusster Umgang mit KOmpeNSUM nicht nur den Verbrauch von Ressourcen senken, sondern jede*n von uns vor allem individuell zufriedener und glücklicher machen. Durch das Heilen unserer seelischen Wunden würden außerdem enorme Energien freigesetzt werden, die uns als Menschheit erst wirklich in die Lage versetzen, die Herausforderungen der Welt gemeinsam anzunehmen, um schließlich den Wandel unseres Daseins in dieser Welt entschlossen mitgestalten zu können.

Wie groß ist dein Anteil KOmpeNSUM?

P.S.: Hast Du weiterführende Gedanken und Ideen zu diesem Artikel? Fallen Dir weitere Beispiele für KOmpeNSUM ein? Oder für alternative Handlungsmöglichkeiten, um die eigenen Bedürfnisse effektiv zu erfüllen, um KOmpeNSUM zu vermeiden? Fällt Dir ein passendes Wort ein, um den Konsumanteil zu beschreiben, der unsere Bedürfnisse effektiv erfüllt – also das Gegenstück von KOmpeNSUM?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Du hier kommentierst!

Dank an Tamara, Jana, Janne, Jens und Ann-Brit, die die Entstehung dieses Artikels unterstützt haben.

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